„I matter“ gewinnt den Preis der Ökumenischen Jury beim Schlingel 2026

Es gibt wenig Schöneres als Filmfestivals, die sich an Kinder und Jugendliche richten, die ihnen Blicke in andere Kulturen und in das Leben von Kindern in aller Welt ermöglichen, die ihnen durch Filme Lösungen für Konflikte anbieten und die ihnen erlauben, im dunklen Kinosaal in tiefe Emotionen hineinzuspüren und danach den Raum öffnen, über das Gesehene und Erlebte sich auszutauschen.

In diesem Jahr durfte ich als Mitglied der Ökumenischen Jury beim 31. Internationalen Filmfestival für Kinder und junges Publikum „Schlingel“ dabei sein und acht Tage lang Filme aus aller Welt anschauen und mit dem jungen Publikum als auch mit Kolleg*innen in meiner eigenen Jury als auch aus anderen Jurys diskutieren (ich war auch zuvor schon bei verschiedenen Festivals in einer Jury). Der „Schlingel“ findet seit 1996 in Chemnitz statt und ist eines der international renommiertesten Kinder- und Jugendfilmfestivals und brachte allein dieses Jahr insgesamt 194 Filme aus 60 Ländern auf die große Leinwand.

Ökumenische Jurys gibt es übrigens bei sehr vielen Festivals, sie haben eine lange Tradition und sie vergeben ihre Awards an Filme, denen es mit wirklicher künstlerischer Begabung gelingt, ein menschliches Verhalten oder Zeugnis zum Ausdruck zu bringen, das mit dem Evangelium in Einklang steht, oder die Zuschauer/den Zuschauer für spirituelle, menschliche oder soziale Fragen und Werte zu sensibilisieren, insbesondere im Blick auf die Würde und Rechte der Kinder und Jugendlichen.“ Berufen werden die Ökumenischen Jurys für die katholische Kirche durch den Medienverband Signis und für die protestantischen, anglikanischen und orthodoxen Kirchen durch die Filmorganisation Interfilm.

Unseren Award für den besten Film haben wir im Rahmen der Preisverleihung am 10. Oktober 2026 an „I matter“ der rumänischen Filmemacherin Alina Șerban vergeben, denn wir waren uns in der Jury schnell einig: Manchmal braucht es einen Kinofilm, um uns daran zu erinnern, worauf es in einer Demokratie ankommt: Dass jede Stimme zählt. Dass jede Geschichte es wert ist, erzählt zu werden. Und dass wir lernen müssen, die Welt auch durch die Augen anderer zu sehen.

Im Film geht es um die 17-jährige Rebeca, eine junge Romni, die in einem Heim in Rumänien lebt, deren Vater aus dem Gefängnis entlassen wird und ihre baldige Volljährigkeit und ihr Wunsch, Schauspielerin zu werden, sie vor große Herausforderungen stellt. Als Jury hat uns „I matter“ tief beeindruckt, wie wir in unserer Jury-Begründung schreiben:

„Wie gehe ich meinen Weg, wenn alles gegen mich zu sprechen scheint?

Der Film, den wir heute auszeichnen, nimmt uns mit in die Lebenswelt einer jungen Frau, die sich mit einer erstaunlichen Widerstandskraft und mutig, aber nicht ungebrochen, gegen die Zuschreibungen und Erwartungen ihrer Umgebung behaupten muss. Dabei verzichtet er auf einfache Gegensätze und vorschnelle Urteile, er ist schmerzhaft, ohne hoffnungslos zu werden. Dieser Film ist für uns als ökumenische Jury nicht nur ein Ausschnitt aus der prekären Realität einer jungen Romni oder die filmische Verarbeitung des eigenen Aufwachsens der Regisseurin in einem Heim. Er erzählt auch eine universelle Geschichte über die Suche nach Zugehörigkeit, die Überwindung von Scham und das Ringen um das Recht, das eigene Leben zu gestalten – und er gibt den Erfahrungen jener jungenMenschen einen künstlerischen Raum, deren Stimmen sonst im Getöse von Rassismus, Klassismus und Adultismus leise zu werden drohen.

Für diese kraftvolle Arbeit vergeben wir den Award der Ökumenischen Jury an „I Matter“ von Alina Șerban!“

Außerdem hat die Ökumenische Jury eine lobende Erwähnung an den Animationsfilm „Kona the brave cat“ des chilenischen Filmemachers Gabriel Osorio Vargas vergeben, der 2016 bereits mit seinem Kurzfilm „Historia de un oso“ den Oscar für den besten animierten Kurzfilm gewann. Die ökumenische Jury empfiehlt „Kona the brave cat“, weil er zeigt, dass Vergebung Mut braucht.

Für mehr Eindrücke zu weiteren Festivalfilmen empfehle ich die Beiträge des Filmkritikers und FIPRESCI-Jurymitglieds Reinhard Kleber, der u.a. für den FILMDIENST, das Kinder- und Jugend-Filmportal als auch für die FIPRESCI-Website sehr lesenswerte Einblicke in weitere Festivalfilme wie „Der Regenbogenfisch“ oder „Das Neinhorn“ gibt. Außerdem hat der französische Filmkritiker Ivan Magrin-Chagnolleau eine ebenfalls empfehlenswerte Kritik zum Animationsfilm „Iron Boy“ verfasst – ein Film, der definitiv mein Herz geklaut hat…

Ich bedanke mich beim Schlingel-Team für ein wunderbares Festival, bei den Filmemacher*innen aus aller Welt, bei meinen Jury-Kolleg*innen – und ich bedanke mich beim jungen Publikum, das mir wieder gezeigt hat, warum Film und Kino mehr als Entertainment sind.