Am 6. Mai durfte ich als Expertin im österreichischen Parlament zu Gast sein. Eingeladen war ich zur Bundesratsenquete „Starke Regionen: digital.engagiert.zukunftsorientiert“, um über die Möglichkeiten und Grenzen digitaler Werkzeuge für Jugendbeteiligung zu sprechen. In meinem Impuls ging es um eine Frage, die mich seit vielen Jahren begleitet: Wie können digitale Werkzeuge dazu beitragen, dass sich mehr junge Menschen an politischen und gesellschaftlichen Entscheidungen beteiligen?
Die Antwort darauf ist aus meiner Sicht weder ein euphorisches Ja noch ein kategorisches Nein.
Digitale Beteiligung ist kein Allheilmittel. Eine App ersetzt keine Begegnung. Ein Online-Voting ist noch keine Mitbestimmung. Und eine Beteiligungsplattform allein verändert keine politische Kultur.
Gleichzeitig wäre es fahrlässig, die digitale Lebenswelt junger Menschen bei Beteiligungsprozessen auszublenden. Für Kinder und Jugendliche ist Digitalität kein Zusatz mehr, sondern selbstverständlicher Teil ihres Alltags. Wer junge Menschen erreichen möchte, muss deshalb auch dort präsent sein, wo sie kommunizieren, sich informieren und vernetzen.
Entscheidend ist jedoch etwas anderes: Digitale Werkzeuge sind Mittel zum Zweck. Gute Jugendbeteiligung entsteht nicht durch Software, sondern durch Haltung.
Sie braucht Erwachsene, die bereit sind zuzuhören. Sie braucht politische Entscheidungsträger:innen, die Ergebnisse ernst nehmen. Sie braucht ausreichend Zeit, personelle Ressourcen und die Bereitschaft, Verantwortung tatsächlich zu teilen. Erst dann können digitale Instrumente ihre Stärke entfalten – indem sie Zugänge erleichtern, Beteiligung transparenter machen oder Menschen miteinander vernetzen.
Besonders spannend fand ich den Austausch mit den anderen Expert:innen der Enquete. Die Diskussionen machten deutlich, dass Ehrenamt, regionale Entwicklung und Jugendbeteiligung keine getrennten Themen sind. Sie gehören zusammen. Regionen werden dort stark, wo Menschen Verantwortung übernehmen können und das Gefühl haben, etwas bewirken zu können. Das gilt für Erwachsene genauso wie für Kinder und Jugendliche.
Gerade im ländlichen Raum können digitale Werkzeuge dazu beitragen, Entfernungen zu überwinden und neue Beteiligungsmöglichkeiten zu schaffen. Gleichzeitig dürfen sie bestehende Ungleichheiten nicht verstärken. Nicht alle jungen Menschen verfügen über die gleichen technischen Voraussetzungen oder die gleiche Medienkompetenz. Auch deshalb muss digitale Beteiligung immer inklusiv gedacht werden.
Vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft, die ich aus dem österreichischen Parlament mitgenommen habe: Demokratie entsteht nicht durch Technologie. Demokratie entsteht dort, wo Menschen bereit sind, miteinander ins Gespräch zu kommen, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam Zukunft zu gestalten.
Zur Aufzeichnung im ORF geht’s hier.
Fotonachweis: (c) Parlamentsdirektion/Johannes Zinner